Ja, Red Teaming lässt sich sehr sinnvoll in Cloud-Umgebungen einsetzen. Gerade weil Cloud-Infrastrukturen eigene Angriffsflächen, Berechtigungsmodelle und Konfigurationsrisiken mitbringen, reichen klassische Sicherheitsprüfungen oft nicht aus. Ein gezieltes Red Teaming in Cloud-Umgebungen simuliert realistische Angriffe auf AWS-, Azure- oder GCP-Umgebungen und deckt Schwachstellen auf, die automatisierte Scans übersehen. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Cloud Security Red Teams und deren praktischen Einsatz.
Welche Angriffsflächen entstehen speziell in Cloud-Umgebungen?
Cloud-Umgebungen bringen eine eigene Kategorie von Angriffsflächen mit sich, die sich deutlich von klassischen On-Premises-Infrastrukturen unterscheiden. Dazu gehören fehlkonfigurierte Speicher-Buckets, überprivilegierte Dienstkonten, unsichere API-Endpunkte sowie mangelhaft eingerichtete Identitäts- und Zugriffsmanagementsysteme (IAM). Jede dieser Schwachstellen kann einem Angreifer einen ersten Einstiegspunkt bieten.
Besonders kritisch ist das Thema Identitäten: In der Cloud ersetzen Rollen und Berechtigungen den klassischen Netzwerkperimeter. Werden einem Dienst oder einer Funktion zu viele Rechte eingeräumt, kann ein Angreifer nach einem ersten Kompromiss lateral durch die gesamte Cloud-Infrastruktur wandern. Weitere typische Risiken sind:
- Öffentlich zugängliche Speicher-Buckets mit sensiblen Daten
- Hardcodierte Zugangsdaten in Quellcode oder Container-Images
- Unsichere serverlose Funktionen (z. B. AWS Lambda) mit zu weitreichenden Berechtigungen
- Fehlende Netzwerksegmentierung zwischen Cloud-Workloads
- Ungeschützte Management-Konsolen und APIs
Diese Risiken entstehen häufig nicht durch mangelnde Technologie, sondern durch Konfigurationsfehler oder unklare Verantwortlichkeiten zwischen Entwicklungs- und Betriebsteams. Genau hier setzt Cloud-Sicherheit testen durch ein Red Team an.
Wie unterscheidet sich Cloud-Red-Teaming von klassischen Penetrationstests?
Cloud-Red-Teaming unterscheidet sich von klassischen Penetrationstests in Umfang, Methodik und Zielsetzung. Während ein Penetrationstest Cloud-Komponenten punktuell auf bekannte Schwachstellen prüft, simuliert ein Red Team über einen längeren Zeitraum einen echten, zielgerichteten Angriff auf die gesamte Cloud-Infrastruktur, einschließlich Identitäten, Datenflüsse und Detektionsmechanismen.
Ein klassischer Penetrationstest folgt einem definierten Scope und einer festen Zeitvorgabe. Das Red Team hingegen agiert wie ein echter Bedrohungsakteur: Es nutzt mehrere Angriffsvektoren gleichzeitig, versucht unentdeckt zu bleiben und testet auch, ob das Sicherheitsteam auf Angriffe reagiert. In Cloud-Umgebungen kommen dabei plattformspezifische Techniken zum Einsatz, die ein standardisierter Penetrationstest nicht abdeckt.
Zeitlicher Horizont und Tiefe
Penetrationstests dauern typischerweise wenige Tage bis zwei Wochen. Red-Teaming-Engagements erstrecken sich oft über mehrere Wochen oder Monate, um realistische Angriffsketten vollständig abzubilden.
Fokus auf Detektion und Response
Ein wesentlicher Unterschied liegt darin, dass Cloud-Red-Teaming auch die Reaktionsfähigkeit des Blue Teams prüft. Es geht nicht nur darum, ob ein Angriff möglich ist, sondern ob er bemerkt und gestoppt wird. Dieser Aspekt fehlt in klassischen Penetrationstests häufig.
Was darf beim Red Teaming in der Cloud getestet werden?
Was beim Red Teaming in der Cloud getestet werden darf, hängt von den vertraglichen Vereinbarungen mit dem Cloud-Anbieter und dem definierten Testscope ab. Grundsätzlich gilt: Alles, was der Auftraggeber selbst betreibt und verantwortet, darf mit Genehmigung des Cloud-Anbieters getestet werden. Shared-Responsibility-Grenzen müssen dabei strikt eingehalten werden.
Die großen Cloud-Anbieter wie AWS, Microsoft Azure und Google Cloud Platform haben eigene Richtlinien für Sicherheitstests. In der Regel erlauben sie Tests an eigenen Ressourcen, untersagen aber Angriffe auf die zugrunde liegende Cloud-Infrastruktur oder andere Kundensysteme. Typische erlaubte Testbereiche sind:
- IAM-Konfigurationen und Berechtigungsmodelle
- Virtuelle Maschinen, Container und serverlose Funktionen
- Datenbanken und Speicherdienste im eigenen Account
- API-Gateways und Webanwendungen
- Netzwerkkonfigurationen und Sicherheitsgruppen
Vor jedem Engagement sollte eine klare schriftliche Genehmigung vorliegen, die Scope, Zeitraum und erlaubte Methoden definiert. Das schützt sowohl das Red Team als auch den Auftraggeber.
Welche Techniken nutzen Red Teams in Cloud-Infrastrukturen?
Red Teams in Cloud-Infrastrukturen nutzen eine Kombination aus cloud-spezifischen Angriffstechniken und klassischen Methoden der offensiven Sicherheit. Dazu gehören IAM-Privilege-Escalation, Metadata-Service-Angriffe, Token-Hijacking sowie das Ausnutzen fehlkonfigurierter Dienste. Diese Techniken sind auf die jeweilige Cloud-Plattform zugeschnitten und erfordern spezialisiertes Know-how.
Zu den häufig eingesetzten Techniken gehören:
- IAM-Privilege-Escalation: Ausnutzen von zu weitreichenden Berechtigungen, um von einem niedrigprivilegierten Konto zu Administrator-Rechten zu gelangen
- Metadata-Service-Angriffe: Zugriff auf interne Cloud-Metadaten, die Zugangsdaten oder Konfigurationsinformationen enthalten können
- Lateral Movement: Wandern durch Cloud-Ressourcen mithilfe kompromittierter Dienstkonten oder Rollen
- Container-Escape: Ausbruch aus isolierten Container-Umgebungen in die zugrunde liegende Host-Infrastruktur
- Supply-Chain-Angriffe: Manipulation von CI/CD-Pipelines oder Abhängigkeiten in der Entwicklungsumgebung
Spezialisierte Frameworks wie Pacu (für AWS) oder PowerZure (für Azure) unterstützen Red Teams dabei, cloud-spezifische Angriffspfade systematisch zu erkunden und zu dokumentieren. Wer sich tiefer mit defensiven Gegenmaßnahmen befassen möchte, sollte diese Techniken kennen, um Erkennungsregeln gezielt zu entwickeln.
Für welche Unternehmen ist Red Teaming in der Cloud besonders sinnvoll?
Red Teaming in der Cloud ist besonders sinnvoll für Unternehmen, die kritische Daten oder Prozesse in Cloud-Infrastrukturen betreiben, regulatorischen Anforderungen unterliegen oder bereits erste Sicherheitsmaßnahmen implementiert haben und deren Wirksamkeit realistisch prüfen wollen. Es ist kein Einstiegsprodukt, sondern ein fortgeschrittenes Sicherheitsinstrument.
Konkret profitieren folgende Unternehmenstypen besonders:
- Finanzdienstleister und Versicherungen, die sensible Kundendaten in der Cloud verarbeiten und regulatorischen Vorgaben wie DORA unterliegen
- Gesundheitseinrichtungen, die Patientendaten in Cloud-Systemen speichern und hohe Datenschutzanforderungen erfüllen müssen
- KRITIS-Unternehmen, die kritische Infrastrukturen in hybriden oder reinen Cloud-Umgebungen betreiben
- Scale-ups und Tech-Unternehmen, die schnell gewachsen sind und deren Cloud-Architektur organisch entstanden ist
- Unternehmen nach einem Sicherheitsvorfall, die prüfen wollen, ob die ergriffenen Maßnahmen tatsächlich wirksam sind
Wichtig ist, dass ein grundlegendes Sicherheitsniveau bereits vorhanden ist. Red Teaming deckt komplexe Schwachstellen auf, ersetzt aber keine grundlegenden Sicherheitsmaßnahmen wie Patch-Management oder Zugriffskontrollen. Ergänzend lohnt sich ein Blick auf organisatorische Sicherheitsmaßnahmen, die die technischen Kontrollen flankieren.
Wie bereitet man sich auf ein Cloud-Red-Teaming-Engagement vor?
Eine gute Vorbereitung auf ein Cloud-Red-Teaming-Engagement beginnt mit der Definition klarer Ziele, der Dokumentation der Cloud-Architektur und der Einholung aller notwendigen Genehmigungen. Je besser der Scope vorab definiert ist, desto fokussierter und wertvoller wird das Ergebnis für das Unternehmen.
Folgende Schritte sind empfehlenswert:
- Ziele definieren: Was soll das Engagement konkret prüfen? Geht es um Datenschutz, Betriebskontinuität oder Zugriffskontrollen?
- Architektur dokumentieren: Eine aktuelle Übersicht der Cloud-Ressourcen, Konten, Rollen und Datenflüsse erleichtert die Planung erheblich
- Genehmigungen einholen: Schriftliche Freigaben vom Cloud-Anbieter und intern von allen betroffenen Stakeholdern sichern das Engagement rechtlich ab
- Blue Team informieren oder abschirmen: Je nach Zielsetzung wird das interne Sicherheitsteam eingeweiht (Purple Team) oder absichtlich im Dunkeln gelassen, um die Detektionsfähigkeit realistisch zu testen
- Kommunikationskanäle festlegen: Ein klarer Eskalationspfad für den Fall, dass das Red Team echte kritische Schwachstellen findet, sollte vorab definiert sein
Unternehmen, die noch am Anfang ihrer Cloud-Sicherheitsreise stehen, sollten zunächst einen Penetrationstest ihrer Cloud-Umgebung durchführen lassen, bevor sie in ein vollständiges Red-Teaming-Engagement investieren. Das schafft eine solide Ausgangsbasis und macht das Red Teaming anschließend deutlich effektiver.
Wie CCVOSSEL dich beim Red Teaming in der Cloud unterstützt
Wir bei CCVOSSEL GmbH begleiten Unternehmen mit langjähriger Erfahrung dabei, ihre Cloud-Umgebungen realistisch auf Angriffsfestigkeit zu prüfen. Als zertifizierter IT-Sicherheitsdienstleister mit ISO-27001-Zertifizierung und nachgewiesener Expertise in KRITIS-Umgebungen bringen wir das Fachwissen mit, das Cloud-Red-Teaming auf professionellem Niveau erfordert.
Was wir konkret anbieten:
- Planung und Durchführung von Red-Teaming-Engagements in AWS-, Azure- und GCP-Umgebungen
- Individuelle Scope-Definition und Abstimmung mit Cloud-Anbietern
- Einsatz aktueller Angriffstechniken und cloud-spezifischer Frameworks
- Verständliche Berichterstattung mit konkreten Handlungsempfehlungen
- Begleitung bei der Umsetzung von Gegenmaßnahmen nach dem Engagement
Unser Managed Security Service ergänzt das Red Teaming um eine kontinuierliche Sicherheitsbegleitung, sodass identifizierte Schwachstellen dauerhaft adressiert werden. Wenn du wissen möchtest, wie sicher deine Cloud-Infrastruktur wirklich ist, nimm jetzt Kontakt zu uns auf und wir besprechen gemeinsam, welches Vorgehen für dein Unternehmen am besten passt.