Sollte ein Unternehmen ein internes oder externes Red Team beauftragen?

Weißer Schachkönig und schwarzer Springer stehen sich auf grauer Betonoberfläche gegenüber, dramatische Schatten, Nahaufnahme.

Ob ein Unternehmen ein internes oder externes Red Team beauftragen sollte, hängt vor allem von der Reife der eigenen Sicherheitsorganisation, den verfügbaren Ressourcen und dem konkreten Testziel ab. Interne Red Teams bieten kontinuierliche Verfügbarkeit und tiefes Unternehmenswissen, während externe Teams unabhängige Perspektiven und spezialisierte Angriffstechniken einbringen, die intern oft nicht vorhanden sind. Die folgenden Fragen helfen dabei, die richtige Entscheidung für die eigene Situation zu treffen.

Was sind die Hauptunterschiede zwischen einem internen und externen Red Team?

Der zentrale Unterschied zwischen einem internen und einem externen Red Team liegt in der Perspektive und Unabhängigkeit. Ein internes Red Team ist fest im Unternehmen verankert, kennt die Infrastruktur genau und arbeitet kontinuierlich. Ein externes Red Team bringt einen unvoreingenommenen Blick von außen, spezifisches Angriffs-Know-how und die Erfahrung aus vielen verschiedenen Unternehmensumgebungen mit.

Interne Teams haben einen entscheidenden Vorteil: Sie kennen die Systeme, Prozesse und auch die ungeschriebenen Regeln im Unternehmen. Das ermöglicht gezieltere, auf die eigene Umgebung zugeschnittene Tests. Gleichzeitig birgt dieses Wissen ein Risiko: Der sogenannte „betriebsblinde Effekt“ kann dazu führen, dass bestimmte Schwachstellen schlicht übersehen werden, weil man sie als selbstverständlich hinnimmt.

Externe Red Teams hingegen simulieren reale Angreifer, die keinerlei Vorwissen über die Zielumgebung haben. Genau das ist ihre Stärke: Sie testen, wie ein echter Angreifer vorgehen würde. Zudem bringen sie aktuelle Kenntnisse über neue Angriffsvektoren und Techniken mit, die in der Szene gerade im Umlauf sind. Der Nachteil liegt in der begrenzten Einsatzdauer und dem höheren Einarbeitungsaufwand zu Beginn eines Projekts.

Wann ist ein internes Red Team die bessere Wahl?

Ein internes Red Team ist die bessere Wahl, wenn ein Unternehmen über eine ausreichend große und erfahrene Sicherheitsabteilung verfügt, regelmäßige und kontinuierliche Tests benötigt und die Kosten für wiederkehrende externe Beauftragungen langfristig reduzieren möchte. Es eignet sich besonders für Organisationen mit komplexen, hochsensiblen Umgebungen, in denen externe Zugriffe aus regulatorischen Gründen eingeschränkt sind.

Unternehmen aus dem KRITIS-Bereich, also Betreiber kritischer Infrastrukturen wie Energieversorger oder Finanzinstitute, profitieren häufig von einem internen Red Team, weil dort bestimmte Systemzugriffe nur intern erlaubt sind. Auch Unternehmen, die bereits eine solide defensive Sicherheitsstrategie etabliert haben und diese nun kontinuierlich auf die Probe stellen wollen, sind gut mit einem internen Team aufgestellt.

Wichtig ist jedoch: Der Aufbau eines internen Red Teams erfordert erhebliche Investitionen in Personal, Ausbildung und Werkzeuge. Ohne diese Grundlage bleibt das Team hinter seinem Potenzial zurück.

Wann sollte ein Unternehmen ein externes Red Team hinzuziehen?

Ein externes Red Team sollte hinzugezogen werden, wenn ein Unternehmen eine unabhängige Bewertung seiner Sicherheitslage benötigt, kein eigenes Red-Team-Personal vorhanden ist oder ein internes Team durch eine externe Perspektive ergänzt werden soll. Besonders sinnvoll ist der Einsatz vor wichtigen Compliance-Prüfungen, nach größeren Infrastrukturveränderungen oder im Rahmen von Incident-Response-Übungen.

Für kleinere und mittelständische Unternehmen ist ein externes Red Team in der Regel die pragmatischere Lösung. Der Aufbau eigener Kapazitäten wäre unverhältnismäßig teuer, während ein externer Anbieter bedarfsgerecht eingesetzt werden kann. Darüber hinaus bringt ein externes Team aktuelle Angriffsmethoden mit, die intern oft nicht bekannt sind, weil die Weiterbildung im Tagesgeschäft zu kurz kommt.

Auch wenn ein bestehendes internes Team betriebsblind geworden ist oder intern politische Rücksichten die Testergebnisse beeinflussen könnten, ist ein externer Anbieter die bessere Wahl. Unabhängigkeit ist hier kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für valide Ergebnisse.

Welche Kosten entstehen bei internen versus externen Red Teams?

Die Kosten für ein internes Red Team sind primär Fixkosten: Gehälter, Weiterbildung, Zertifizierungen und Werkzeuge fallen dauerhaft an, unabhängig davon, wie viele Tests tatsächlich durchgeführt werden. Ein externes Red Team verursacht variable Kosten, die je nach Umfang, Dauer und Komplexität des Auftrags variieren, und ist damit für sporadische Tests oft wirtschaftlicher.

Kostenstruktur eines internen Red Teams

Für ein schlagkräftiges internes Red Team sind in der Regel mindestens zwei bis drei spezialisierte Fachkräfte erforderlich. Dazu kommen laufende Kosten für Zertifizierungen wie OSCP oder CRTO, Lizenzgebühren für Angriffssimulationsplattformen sowie Hardware für Testumgebungen. Insgesamt ist das eine substanzielle Investition, die sich erst ab einer bestimmten Unternehmensgröße und Testfrequenz rechnet.

Kostenstruktur eines externen Red Teams

Externe Red-Team-Engagements werden in der Regel projektbasiert abgerechnet, entweder nach Tagessätzen oder als Festpreis für definierte Szenarien. Die Kosten hängen stark vom Umfang ab: Ein kurzer Penetrationstest ist deutlich günstiger als ein mehrwöchiges Full-Scope-Red-Team-Exercise. Für Unternehmen, die ein bis zwei Mal im Jahr testen, ist das externe Modell in der Regel die kostengünstigere Option.

Kann ein hybrides Red-Team-Modell sinnvoll sein?

Ja, ein hybrides Red-Team-Modell kann sehr sinnvoll sein. Dabei kombiniert ein Unternehmen interne Kapazitäten für kontinuierliche, routinemäßige Tests mit externen Spezialisten für komplexe Szenarien, neue Angriffsvektoren oder unabhängige Validierungen. Dieses Modell vereint die Vorteile beider Ansätze und gleicht deren jeweilige Schwächen aus.

In der Praxis sieht ein hybrides Modell oft so aus: Das interne Team übernimmt regelmäßige Überprüfungen bekannter Systeme und die Pflege der Testinfrastruktur. Externe Spezialisten werden für gezielte Angriffssimulationen, Red-Team-Exercises nach TIBER-EU-Standard oder für Bereiche hinzugezogen, in denen intern das Know-how fehlt, beispielsweise bei OT-Sicherheit oder cloud-nativen Angriffsszenarien.

Besonders für wachsende Unternehmen ist das hybride Modell attraktiv: Es erlaubt den schrittweisen Aufbau interner Kompetenz, ohne auf externe Expertise verzichten zu müssen. Die organisatorische Sicherheitsstrategie sollte dabei klar regeln, wer welche Aufgaben übernimmt und wie die Zusammenarbeit koordiniert wird.

Worauf sollte ein Unternehmen bei der Auswahl eines externen Red Teams achten?

Bei der Auswahl eines externen Red Teams sollte ein Unternehmen auf nachgewiesene Erfahrung, relevante Zertifizierungen, transparente Methodik und klare vertragliche Regelungen achten. Ein seriöser Anbieter kommuniziert offen über seinen Ansatz, liefert verständliche Berichte und begleitet das Unternehmen auch bei der Behebung gefundener Schwachstellen.

Konkret sollten folgende Kriterien geprüft werden:

  • Zertifizierungen und Qualifikationen: Anerkannte Zertifizierungen wie OSCP, CRTO, GPEN oder CEH sind ein Qualitätsindikator für die Expertise der Tester.
  • Branchenerfahrung: Ein Team, das Erfahrung in der eigenen Branche mitbringt, versteht die spezifischen Risiken und regulatorischen Anforderungen besser.
  • Methodik und Transparenz: Der Anbieter sollte klar erläutern, welche Frameworks er nutzt, etwa MITRE ATT&CK oder PTES, und wie er vorgeht.
  • Berichtqualität: Gute Red-Team-Berichte enthalten nicht nur eine Liste von Schwachstellen, sondern auch priorisierte Handlungsempfehlungen und eine verständliche Risikobewertung.
  • Vertragliche Absicherung: Klare Regelungen zu Umfang, Haftung, Datenschutz und Vertraulichkeit sind unverzichtbar, bevor ein externer Anbieter Zugriff auf Systeme erhält.
  • Referenzen und Nachweise: Erfahrungsberichte anderer Kunden oder nachgewiesene Projekterfolge geben Aufschluss über die tatsächliche Leistungsfähigkeit.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kommunikation während des Engagements. Ein gutes externes Red Team hält das Unternehmen auf dem Laufenden, meldet kritische Funde sofort und arbeitet eng mit dem internen Security-Team zusammen, anstatt isoliert zu operieren. Auch der Umgang mit Sicherheitsvorfällen während eines Tests sollte im Vorfeld klar geregelt sein.

Wie CCVOSSEL beim Thema Red Team unterstützt

Wir bei CCVOSSEL GmbH unterstützen Unternehmen dabei, die richtige Red-Team-Strategie zu entwickeln und umzusetzen. Mit fast drei Jahrzehnten Erfahrung in der IT-Sicherheit und zertifizierten Experten, die auch in kritischen Infrastrukturumgebungen tätig sind, bieten wir maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmen jeder Größe.

Unser Angebot im Bereich Offensive Security umfasst unter anderem:

  • Red-Team-Exercises: Realistische Angriffssimulationen, die auf die spezifische Bedrohungslage des Unternehmens zugeschnitten sind
  • Penetrationstests: Gezielte technische Tests einzelner Systeme, Anwendungen oder Netzwerksegmente
  • Hybride Modelle: Unterstützung beim Aufbau interner Kapazitäten in Kombination mit unserer externen Expertise
  • Verständliche Berichte: Klare Ergebnisaufbereitung mit priorisierten Handlungsempfehlungen, die auch für nicht-technische Entscheidungsträger nachvollziehbar sind
  • Begleitung bei der Behebung: Wir lassen Unternehmen nach dem Test nicht allein, sondern unterstützen bei der Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen

Ob internes Red Team, externes Red Team oder ein hybrides Modell: Wir helfen dabei, die passende Lösung zu finden und sicher umzusetzen. Nehmt jetzt Kontakt zu uns auf und lasst uns gemeinsam die Sicherheitsstrategie eures Unternehmens auf das nächste Level bringen.

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